Vorurteile, Herkunft und Gewalt

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Was sagt uns die Statistik?

Ein gängiges Vorurteil besagt, dass Ausländer – vor allem männliche – gewalttätig seien. Entspricht das wirklich den Fakten, wenn man diese etwas näher anschaut?

Ein schneller Blick auf die Statistik scheint zuerst das Vorurteil zu bestätigen: Von den minderjährigen Jugendlichen, die 2009 einer Gewalttat beschuldigt wurden (wichtig: beschuldigt heisst nicht verurteilt), hatten rund 40% keinen Schweizer Pass. Ihr Anteil an der Bevölkerung beträgt aber nur ca. 22.5%.

Bei den Erwachsenen zeigt sich ein ähnliches Bild: Von den Erwachsenen, die 2009 einer Gewalttat beschuldigt wurden, hatten 41% keinen Schweizer Pass. 29% der beschuldigten erwachsenen Ausländer/-innen lebten in der Schweiz, 12% im Ausland.

Bevor du denkst, dass Gewalt einfach ein Problem der Ausländer ist, solltest du zwei Fakten bedenken:

  • Diese Zahlen stammen aus der Statistik der Polizei. Erfasst sind also nur jene Gewalttaten, die angezeigt werden. Viele Gewalttaten werden aber nicht angezeigt. Und da ist es schwierig zu sagen, wie die Unterschiede zwischen Schweizer/-innen und Ausländer/-innen aussehen.
  • Die einheimische und die zugewanderte Bevölkerung unterscheiden sich in mindestens zwei Punkten:
    1. Es gibt mehr Männer als Frauen, die in die Schweiz einwandern.
    2. Die zugewanderte Bevölkerung ist deutlich jünger als die einheimische.

Es ist bekannt, dass Gewalt unter jungen Männern viel häufiger vorkommt als in den anderen Bevölkerungsgruppen. Und da ein wichtiger Teil der Zuwanderer junge Männer sind, lässt sich teilweise auch so erklären, warum Ausländer in der Polizeistatistik übervertreten sind.

Allerdings nur zum Teil: Selbst wenn man diese Fakten berücksichtigt, gehen Wissenschaftler/-innen davon aus, dass Ausländer immer noch ein bisschen stärker unter den Täter/-innen vertreten sind als Schweizer/-innen.

Aber selbst dann: Die überwiegende Mehrheit der Jugendlichen in der Schweiz erscheint - unabhängig von ihrer Nationalität – in keiner Urteilsstatistik.

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Jene, die sich für solche Zahlen interessieren, können sich hier gerne ein bisschen genauer informieren, wie es sich laut Statistik mit einigen Kennzahlen verhält. Wenn nicht anders vermerkt, handelt es sich um die Zahlen aus dem Jahr 2009. Es kann ganz interessant sein, auf der Website des Bundesamts für Statistik (siehe unten) selbst herumzusurfen und nach interessanten Themen Ausschau zu halten. Viele Zahlen sind dort öffentlich zugänglich.

Struktur der einheimischen und der zugewanderten Bevölkerung:

  • Alter: Die zugewanderte Bevölkerung ist deutlich jünger als die einheimische. Während ca. 44% der Schweizer/-innen unter 40 Jahre alt sind, sind es bei den Menschen ohne Schweizer Pass rund 59%. Dabei gilt es zu beachten, dass der Anteil der Menschen unter 20 Jahren in beiden Gruppen fast gleich ist. Der Unterschied ist also vor allem bei den 20 – 39-Jährigen festzustellen.
  • Geschlecht: Bei den Menschen mit Schweizer Pass beträgt das Geschlechterverhältnis insgesamt 51.85 Frauen zu 48.15 Männern. In diesen Unterschied spielt die längere Lebenserwartung von Frauen hinein, denn bei den unter 40-Jährigen beträgt das Verhältnis noch 50.5 Männer zu 49.5 Frauen. Ganz anders bei der Bevölkerung ohne Schweizer Pass: Hier beträgt das Verhältnis insgesamt 53.45 Männer zu 46.55 Frauen, bei den unter 40-Jährigen sind es 51.85 Männer zu 48.15 Frauen. Es gibt hier also einen viel klareren Männerüberhang als bei den Einheimischen.


Minderjährige Gewalttäter:

Insgesamt wurden 4386 Minderjährige einer Gewalttat beschuldigt, das entspricht ca. 0.6% aller 10 – 17-Jährigen in der Schweiz. Dabei handelt es sich um 87.4% männliche Jugendliche. Verurteilt wurden 2367 von ihnen - das sind noch 0.34%. Diese Zahlen zeigen doch sehr klar, dass die grosse Mehrheit der Jugendlichen in der Schweiz - unabhängig von ihrer Nationalität - nicht übermässig gewalttätig ist.

Nun schauen wir dieselbe Statistik auch noch für jene Jugendlichen an, die keinen Schweizer Pass haben, aber in der Schweiz wohnen. Die 1882 Beschuldigten machen insgesamt 1.3% aus. Das ist ein höherer Wert als oben. Dieser besagt aber auch, dass 98.7% aller Jugendlichen ohne Schweizer Pass nicht wegen Gewaltdelikten bei der Polizei angezeigt wurden. Auch das ist die überwiegende Mehrheit. Leider wird die Zahl der Urteile nicht nach Nationalität erhoben, deshalb kann man nicht sagen, wie viele Ausländer/-innen effektiv verurteilt werden.

Schauen wir nun zum Schluss noch eine Auswahl der Gewaltdelikte an, für die Jugendliche im 2009 verurteilt wurden (auch hier lässt sich nicht aufschlüsseln, wie viele davon auf Einheimische und wie viele auf Zugewanderte entfallen):

  • 3 vorsätzliche Tötungen (0.1%)
  • 22 schwere Körperverletzungen (0.9%)
  • 654 einfache Körperverletzungen (27.75%)
  • 123 Raufhandel (also schwere Schlägereien (5.2%)
  • 6 Vergewaltigungen (0.25%) und 82 sexuelle Nötigungen (3.5%)
 

Weitere Informationen:

» Bundesamt für Statistik

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