Nimmt Gewalt zu?
Subnavigation
Inhalt
Angst vor Gewalt kann Gewalt auslösen
Ein Teil der Bevölkerung hat den Eindruck, dass Gewalt zunimmt. Woher kommt diese Überzeugung und welche Auswirkung hat sie?
Wir werden täglich mit Nachrichten in Form von Texten, Videos und Bildern konfrontiert, die über Gewaltvorfälle berichten. Je brutaler eine Gewalttat ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass wir davon erfahren und dass wir beeindruckt werden. Geographisch können diese Gewalttaten weit entfernt sein, aber für uns sind sie sehr präsent, sehr real, sie gehören für uns als Zuschauer von TV-Sendungen, als Leserinnen von Zeitschriften oder als Nutzer von Apps und Websites zu unserem Alltag.
Es sollte deswegen nicht überraschen, dass für einen Teil der Bevölkerung Gewalt als zunehmendes Problem erlebt wird, auch wenn diese Menschen nie Opfer von Jugendgewalt waren: Ihre Angst, auf der Strasse von jungen Unbekannten angegriffen zu werden, wächst. Und je grösser die Angst, desto lauter werden ihre Forderungen, die Schutzmassnahmen zu verschärfen.
Gewalt ist ein gutes Geschäft, auch um Medienberichte zu verkaufen. Dies ist vor allem für bildungsferne Jugendliche sowie für junge Menschen mit Migrationshintergrund ein Problem. Diese könnten relativ rasch mit dem Verdacht konfrontiert werden, sie könnten doch gewalttätig werden, obwohl sie unschuldig sind. Wenn diese Jugendlichen aufgrund dieser Ängste wichtige Chancen im Leben verpassen, z.B. keinen Job bekommen oder keine Wohnung finden, dann werden sie zum Opfer dieser Ängste. Resignation und Frustration können die Folgen sein, die in seltenen Fällen zu Gewalttaten führen können.
Das heisst: Angst vor Gewalt kann in einzelnen Fällen Gewalt auslösen. Umso wichtiger ist es, dass gute Studien sachlich beschreiben, wie verbreitet Gewaltphänomene tatsächlich sind, in welcher Form und wo sie erscheinen. Damit möchte man erreichen, dass nicht alle Jugendlichen mit bestimmten Eigenschaften im Voraus als potenziell gewalttätig beurteilt werden: Gewalt muss bekämpft werden, wo sie wirklich erscheint, und sie muss mit sinnvollen und fairen Massnahmen verhütet werden.
Eine erste Verhütungsmassnahme können Erwachsene direkt in ihrem Kopf umsetzen: Den Jugendlichen eine Chance zu geben, ihren Wert beweisen zu können, anstatt sie als potenziell gewalttätig zu betrachten. Für manche Jugendliche könnte schon eine solche Änderung im Kopf einiger Erwachsenen grosse positive Auswirkungen haben.
