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Das Recht des behinderten Jugendlichen, am Gemeinschaftsleben teilzunehmen

Das Recht des behinderten Jugendlichen auf besondere Pflege sowie eine angemessene Erziehung und Schulung, die seine Selbstständigkeit und seine aktive Teilnahme am Gemeinschaftsleben fördern.

Alles geht schnell vorwärts

Ida und Christian sind 15 Jahre alt. Sie stehen am morgen früh auf, duschen, ziehen sich an, frühstücken, nehmen das Velo und fahren zum Arbeitsplatz. Zwischen Aufwachen und dem Beginn der Arbeit brauchen sie etwa 1 Stunde, alles geht schnell vorwärts.

Alles braucht seine Zeit

Lisa und Lorenz sind auch 15 Jahre alt. Bis sie nach dem Aufwachen mit der Dusche fertig sind, ist schon eine halbe Stunde vorbei. Fast eine weitere Stunde brauchen sie bis sie sich angezogen und gefrühstückt haben. Noch eine weitere halbe Stunde ist notwendig, bis sie die Arbeitsstelle erreicht haben. Zwischen Aufwachen und dem Beginn der Arbeit brauchen sie mindestens 2 Stunden, alles braucht seine Zeit. Warum? Weil Lisa eine motorische Behinderung hat und Lorenz blind ist.

Lisa und Lorenz wollen selbstständig sein und sie lieben ihre Arbeit. Sie machen einen guten Job, der vom Arbeitgeber geschätzt ist. Ihre Köpfe laufen auf Hochtouren und sie haben viele spannende Ideen. Nur der Körper kann mit der Geschwindigkeit der Gedanken nicht ganz mithalten. Lisa und Lorenz sind trotzdem zwei Glücksfälle. Sie bekommen nicht nur die Pflege, die sie benötigen, sondern sie können auch aktiv mit ihrer Arbeit am Gemeinschaftsleben teilnehmen.

Hindernisse über Hindernisse

Es gibt Jugendliche mit einer Behinderung, die nicht so viel Glück haben wie Lisa uns Lorenz.

Viele Barrieren können ihr Leben erschweren. Architektonische Hindernisse können verhindern, dass sie den Arbeitsplatz oder die Schule erreichen. Berührungsängste können dazu führen, dass Nicht-Behinderte von ihnen Abstand halten.

Zudem benachteiligen wirtschaftliche Schwierigkeiten Jugendliche mit Behinderung in besonders hohem Ausmass: Wenn noch mehr geleistet werden muss, um konkurrenzfähig zu bleiben, kann es gut sein, dass sich eine Firma primär für Jugendliche ohne Behinderung entscheidet, vor allem wenn sie schneller und produktiver sind.

Eine Herausforderung für alle

Das Recht auf besondere Förderung bei einer Behinderung ist eine Aufgabe, die die ganze Gesellschaft betrifft: Einzelne Personen, Firmen, Organisationen und Behörden. Nur wenn alle an einem Strang ziehen, kann die Integrierung von Jugendlichen mit Behinderung im Gemeinschaftsleben und in der Arbeitswelt gelingen.

Wie sieht es bei dir aus?

Könntest du - wenn du eine motorische, akustische oder visuelle Behinderung hättest - in deiner Schule am Schulalltag teilnehmen? Könntest du von zu Hause deine Schule ohne Unterstützung deiner Eltern erreichen, wenn du im Rollstuhl sitzen würdest oder wenn du blind wärst? Falls nein: Welche Probleme sollten bewältigt und welche Massnahmen sollten umgesetzt werden, um dies zu ermöglichen?

Hast du schon mit Jugendlichen mit einer Behinderung gesprochen? Falls nein, was denkst du von der Idee, eine Organisation für Behinderte zu kontaktieren, um durch sie einen halben Tag mit einer jungen Person mit Behinderung zu verbringen?

Der erste Schritt für mehr Gerechtigkeit ist, dass man bewusst Barrieren erkennt und dass man Berührungsängste abbaut. Vielleicht arbeitest du irgendwann für eine Behörde oder für eine Fachstelle oder du wirst Architekt oder Bauingenieur: Was für eine Gelegenheit, Barrieren abzubauen! Und vielleicht entsteht durch die Begegnung mit einer jungen Person mit Behinderung eine neue Freundschaft, die dir ermöglicht, die Welt mit ihren Augen zu sehen und von ihrer Perspektive aus wahrzunehmen.

Wer für ein Problem sensibilisiert ist und eine menschliche Beziehung aufbaut, erkennt neue Perspektiven. Vielleicht hast du heute den ersten Schritt getan, der das Leben anderer Menschen mit und ohne Behinderung in Zukunft verbessern wird.

 
Patronat
Pro Juventute
Autor/-in
Oliver Padlina

RADIX · Kontakt · Partner: Pro Juventute, Finanzierung: oak-Stiftung

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