Das sagen die Profis

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«Mache endlich deine Hausaufgaben!»

Viele Eltern berichten von ähnlichen Problemen, wenn ihre Kinder exzessiv Medien nutzen: Dazu gehören schlechte Noten in der Schule und Schwierigkeiten bei der Lehrstelle.

Jugendliche müssen viel Stoff in kurzer Zeit lernen, um die verlangte Leistung in der Schule zu erbringen.

Wer dagegen ständig spielt oder chattet, sogar die ganze Nacht vor dem Bildschirm verbringt, kommt gar nicht dazu, die Schulinhalte zu bearbeiten. Eine Verschlechterung der Noten ist deswegen eine logische Folge einer Onlinesucht.

Gegen die Attraktivität der Online-Angebote kann sich die Schule meistens nicht durchsetzen. Die Schule behandelt Inhalte, die für manche Jugendliche uninteressant sind, deren Wichtigkeit und Bedeutung für sie auch nicht immer nachvollziehbar ist.

Stattdessen kann man in der Online-Welt die Abenteuerlust und das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, Anerkennung und Erfolg ausleben.

Enorm viel Druck

Viele Eltern reagieren mit einer gewissen Verzweiflung, wenn ihre Kinder nur noch online sind. Sie machen enorm viel Druck auf ihr Kind, sie sagen ihm laut und unmissverständlich, dass es jetzt mit dem Gamen oder Chatten sofort aufhören muss, sie drohen mögliche negative Konsequenzen (z.B. den Stecker des Computers zu ziehen) mit dem Ergebnis, dass das Ganze häufig nichts nützt oder die Situation sogar verschlimmert.

» Was hilft nicht weiter? Das sagen die Eltern!

Wenn zwischen Eltern und Jugendlichen ein Konflikt entsteht, können die pubertierenden Kinder sehr hartnäckig sein und den Kampf gewinnen. Wenn Ihnen diese Situation vertraut ist, empfehlen wir Ihnen, eine andere Strategie zu wählen.

Nichts mehr tun und abwarten

Vielleicht klingt folgender Vorschlag für Sie komisch, aber dieser wurde uns von Eltern empfohlen, nachdem sie damit gute Erfahrungen gemacht haben.

Versuchen Sie, gar nichts mehr tun. Anstatt ständig Druck zu machen und zu streiten, könnten Sie das Kind mal probeweise einfach in Ruhe lassen. Und zwar während ein paar Wochen.

Unmittelbar führt diese Strategie zu einer Entspannung der Situation. Zwar ist das Onlineproblem deswegen nicht verschwunden, aber mindestens hat man ein bisschen Zeit gewonnen, um sich von der Strapaze der Erziehung zu erholen.

Irgendwann wird Ihr Kind merken, dass sich wohl etwas geändert hat. Wie es dann reagiert, ist offen. Vielleicht sucht es Kontakt zu Ihnen; dies wäre eine Gelegenheit, sich ohne Streit auszutauschen, über seine Sorgen zu reden, mehr zu erfahren, was ihm wichtig ist. In Kürze: die Beziehung mit Ihrem Kind zu verbessern.

Vielleicht zeigt es, dass es nach einer Weile selbst rechtzeitig abschalten kann. Es kann aber auch sein, dass es die Situation ausnutzt, dann können Sie die negativen Konsequenzen gut beobachten und in einem ruhigen Moment das Gespräch suchen.

Regeln mitbestimmen und Verantwortung tragen

Früher oder später kommen Sie im Fall einer (drohenden) Onlinesucht dennoch nicht darum herum, den Zugang zur Onlinewelt zeitlich einzuschränken.

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Versuchen Sie, mit Ihrem Kind diesbezüglich sinnvolle Regeln zu vereinbaren und es sofern möglich als Gesprächspartner zu beteiligen.

Das Ziel: Es darf nicht so viel Zeit online verbracht werden, dass andere Verpflichtungen darunter leiden. Ebenso wäre zu begrüssen, wenn die Online-Aktivität nicht die einzige Freizeitaktivität Ihres Kindes ist.

Genaue Dauerangaben, wie viel Onlinezeit «sinnvoll» ist, möchten wir nicht geben: Die Antwort hängt u.a. davon ab, wie alt Ihr Kind ist, welche Verpflichtungen es hat, wie schnell es lernt, wie reif es ist, was es im Internet tut, ob es gerade wichtige Prüfungen oder Ferien hat, ob es den Onlinekonsum im Griff hat. Alle diese Faktoren sind relevant, um zu bestimmen, wie viel Onlinezeit vereinbart werden sollte.

Mit Ihrem Kind sollten Sie im Dialog nicht nur vereinbaren, welche Regeln zu Hause gelten, sondern auch, was passiert, falls die Abmachung missachtet wird (die Frage dazu lautet z.B.: «Welche Konsequenzen gibt es für dich, falls du ohne Erlaubnis online bist?»): So lernt Ihr Kind Verantwortung zu übernehmen und Abmachungen mitzubestimmen. Beide Aufgaben gehören zum Erwachsenwerden.

Haben Sie eine Abmachung mit Ihrem Kind erreicht, müssen Sie darauf unbedingt konsequent bleiben, d.h. die Abmachung durchsetzen.

Dennoch spricht nichts dagegen, in einer späteren Phase mit Ihrem Kind über eine neue Abmachung zu verhandeln, falls Sie (oder Ihr Kind) dies als sinnvoll erachten. Erziehung setzt Flexibilität voraus, weil sich Ihr Kind und seine Lebensbedingungen auch ständig ändern.

Versuchen Sie, sich auf die Regeln zu konzentrieren, die wichtig sind und eingehalten werden können: z.B. eine Regel für die bildschirmfreie Zeit und eine für die Inhalte (z.B. keine Sex-Seiten, keine Gewalt-Spiele). Zu viele oder zu schwierige Regeln führen zum Misserfolg und sollten daher vermieden werden.

Sie können die Regeln auch mit einem Vertrag festhalten: Wie das funktioniert und Vorlagen dazu finden Sie auf www.mediennutzungsvertrag.de.

Bei Bedarf - und vor allem relevant im Fall einer (drohenden) Onlinesucht - gibt es Programme, mit denen man die Internetnutzung bzw. bestimmte Websites sperren kann; Sie können auch verlangen, dass Ihnen Ihr Kind sein mobiles Gerät für bestimmte Zeiten gibt oder in eine Schublade steckt, nämlich bis die Hausaufgaben erledigt wurden, während dem Mittag- und Abendessen wie auch während der Nacht.

Ob die Schule doch etwas Positives hat?

Man sollte dennoch nicht nur restriktive Massnahmen einsetzen.

Wenn Sie einen ruhigen Moment mit Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter verbringen, z.B. während dem Abendessen, könnte dies eine Gelegenheit sein, herauszufinden, ob doch etwas in der Schule vermittelt wird, das für ihn / für sie interessant sein könnte.

Vielleicht gibt es Apps oder Videos im Internet, mit denen das Gelernte in der Schule spannender wird. Vielleicht hat Ihr Kind noch nicht verstanden, warum bestimmte Schulinhalte überhaupt relevant sind («was man damit machen kann») oder hat noch nicht die richtige Methode entdeckt, Schulstoff auf spannender Weise zu bearbeiten.

Vielleicht ist Ihr Kind auch frustriert, weil es in der Schule bei bestimmten Fächern zu wenig versteht, sich überfordert fühlt und/oder Prüfungsangst hat.

In all diesen Fällen könnten Sie abklären, ob Nachhilfe organisiert werden kann oder ob Schulkameradinnen oder Freunde ihm helfen können, das Unterrichtsmaterial nicht nur zu verstehen, sondern auch interessant zu finden.

Wir empfehlen Ihnen zudem, das Gespräch mit einer Lehrkraft zu suchen: Wahrscheinlich hat diese bei schulbezogenen Schwierigkeiten hilfreiche Tipps zu deren Bewältigung.

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