Wenn die Liebe weh tut

Inhalt

Es war einmal die grosse Liebe…

Lies die Geschichten von Lena und Niklas, Adnan und Emily sowie Milan und Paul.

Bei welchen Geschichten denkst du: «Da muss etwas passieren. So kann es nicht weitergehen»?

Lena und Niklas » Du triffst dich mit anderen Mädchen!

Lena und Niklas sind seit einer Weile zusammen und total verliebt. Sie will ihn ganz für sich haben und mag es nicht, wenn er abends mit seinen Kumpels etwas unternehmen will. Sie nörgelt dann herum und macht blöde Bemerkungen über seine Freunde. Deshalb gibt es oft Streit.

Einmal will Niklas mit seinen Freunden ins Schwimmbad gehen. Lena sagt, dass sie das nicht wolle, und fängt an zu heulen. Nach dem Streit entschuldigt sie sich und erklärt, dass sie denke, er gehe nur wegen anderen Mädchen dorthin. Er sagt ihr, dass das nicht wahr sei und bleibt bei ihr. Es ist wieder sehr schön mit ihr, er merkt, wie sehr sie ihn liebt.

Dann gibt es aber wieder Streit, weil er ohne sie abends mit seinen Freunden weggehen möchte. Lena behauptet, dass er sich mit andern Mädchen treffe. Sie brüllt herum, boxt ihn und droht Schluss zu machen, wenn er trotzdem gehe. Niklas gibt wieder nach und fühlt sich zunehmend schlechter.

Was denkst du? Kann es so weitergehen?

Adnan und Emily » Du darfst mich nicht provozieren

Adnan und Emily kennen sich seit zwei Jahren. Es war Liebe auf den ersten Blick. Seither sind sie unzertrennlich. Adnan holt Emily vom Lehrbetrieb ab und ist sehr charmant.

Er kann aber auch ganz anders sein. Wenn sie streiten, will er immer Recht haben. Er kann seine Wut nicht zügeln und sagt ihr dann schlimme Dinge. Es ist auch schon vorgekommen, dass er sie geschlagen hat. Emily konnte danach zwei Tage nicht arbeiten gehen, weil sie ein blaues Auge hatte.

Adnan hat Emily am nächsten Tag auf den Knien gebeten, ihm zu verzeihen und hat ihr ein Geschenk gebracht. Er verspricht ihr, dass es nie mehr vorkommen werde. Aber sie dürfe ihn nicht provozieren. Emily ist bereit, ihm zu verzeihen, denn sie liebt ihn immer noch und will ihn nicht verlieren. Sie versucht sich seinen Wünschen anzupassen, damit es nicht wieder zum Streit kommt.

Trotzdem rastet Adnan nach ein paar Wochen wegen einer Kleinigkeit wieder aus und schlägt zu. Was denkst du? Kann es so weitergehen?

Milan und Paul » Ich habe keine Entschuldigung

Milan und Paul sind schon lange ein Paar. Sie lieben und respektieren sich und können auch in schwierigen Situationen miteinander reden. Doch neulich hatten sie einen grossen Streit. Plötzlich hat Milan Paul gepackt und gewürgt, so dass dieser fast keine Luft mehr bekam. Milan erschrak extrem und Paul war geschockt.

Als Milan sah, was er angerichtet hatte, sagte er: «Es tut mir sehr leid, das wollte ich nicht. Ich bin total gestresst und habe die Nerven verloren. Ich habe heute erfahren, dass meine Mutter Krebs hat. Und dann habe ich auch noch die Prüfung vermasselt. Ich weiss, das sind keine Entschuldigungen. So etwas darf nicht mehr passieren, es ist meine Schuld».

Die Gewaltspirale erkennen

Hattest du auch das Gefühl, dass bei den ersten zwei Geschichten die Beziehungen sehr belastet sind und wahrscheinlich nicht besser werden? Falls ja, stimmen wir dir zu.

In den beiden ersten Geschichten gibt es ein Muster, das man «Gewaltspirale» nennt: Nach einem Gewaltausbruch folgt eine ruhige Phase, die gewalttätige Person entschuldigt sich, das Opfer verzeiht und es kommt zur Versöhnung. Nach einiger Zeit wird die Stimmung wieder angespannter und es kommt erneut zu einem Gewaltvorfall.

Häufig wird die Verantwortung auf das Opfer abgeschoben, z.B. mit dem Satz «Wenn du mich nicht provoziert hättest, wäre das nicht passiert». Der Ablauf wiederholt sich, die Spirale dreht sich weiter und die Attacken werden schlimmer. Dieses Muster kann nur durchbrochen werden, wenn die gewalttätige Person einsieht, dass sie etwas ändern muss oder wenn das Opfer erkennt, dass es in einer Gewaltspirale gefangen ist und sich daraus befreien will. Unangenehme Gefühle helfen dabei zu erkennen, dass etwas nicht stimmt und dass man handeln sollte...

Hat man akzeptiert, dass man ein ernsthaftes Beziehungsproblem hat, ist man eher bereit, etwas dagegen zu tun. Das braucht Mut und Entschlossenheit und vielleicht ist auch professionelle Hilfe nötig.

Sich trennen und Sicherheit

Wenn du selbst in einer gewaltbelasteten Beziehung bist und dich trennen möchtest, musst du dir Gedanken machen über die eigene Sicherheit. Wie wird der Freund, die Freundin reagieren, wenn du den Trennungswunsch mitteilst? Musst du mit einem Gewaltausbruch rechnen? Wird er oder sie dich weiterhin bedrohen und nicht in Ruhe lassen?

Wenn du solche Befürchtungen hast, solltest du an einem sicheren Ort über die Trennung reden, z.B. in einem Restaurant. Informiere eine gute Freundin oder einen guten Freund oder eine erwachsene Vertrauensperson über deine Situation, so dass sie dich notfalls unterstützen können. Vielleicht brauchst du vorübergehend einen Ort, wo du hingehen kannst und geschützt bist. Wende dich an eine Beratungsstelle, die dich in dieser schwierigen Phase unterstützen kann. Wenn du in Gefahr bist, muss die Polizei eingeschaltet werden.

Aus den Fehlern lernen und Verantwortung übernehmen

Die dritte Geschichte, diese von Milan und Paul, unterscheidet sich von den beiden andern, da es sich um eine einmalige Gewalttat handelt. Die Gewalt wurde in einer Situation von Stress und Überforderung ausgeübt.

Trotzdem handelt es sich um Gewalt, und Milan muss sich überlegen, wie er mit seiner Belastung umgehen kann, ohne Paul zu bedrohen und zu verletzen. Da Milan einsichtig ist und Verantwortung übernimmt, stehen die Chancen gut, dass Paul bereit ist, es nochmals mit ihm zu versuchen.

Patronat
Fachstelle für Gleichstellung - Stadt Zürich
Quelle/n
Autor/-in
Martha Weingartner
Revisor/-in
Zora Buner