Wenn die Liebe weh tut

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Körperliche Gewalt, u.a. Ohrfeigen

«Die Hand ist mir ausgerutscht» sagt Annina (16), nachdem sie ihrem Freund eine Ohrfeige gegeben hat. «Er hat mich so wütend gemacht!» rechtfertigt sie sich.

Ein Junge darf ein Mädchen nicht schlagen. Und wie sieht es umgekehrt aus? Darf eine Frau einen Mann schlagen, wenn sie wütend ist? Ist das gerechtfertigt, wenn man extrem wütend ist?

In einer Studie im Kanton Zürich haben 25% der 1’462 befragten Jugendlichen der 9. und der 11. Klasse angegeben, dass sie schon mindestens einmal körperliche Gewalt in ihrer Liebesbeziehung als Opfer erlebt haben.

Körperliche Gewalt, wie jene, worüber Tim, Eveline, Tina und Suleijman berichten, ist leider nicht selten. Sie hinterlässt schmerzhafte Spuren am Körper und in der Seele und ist verboten, egal wer der Täter oder die Täterin und was der angegebene Grund ist.

Schauen wir uns die Geschichten dieser Jugendlichen genauer an:

Tim (16) und Eveline (15) » Sie hat mich provoziert!

Tim und Eveline gehen schon länger zusammen aus. Eveline passt sich extrem seinen Wünschen an, aber er ist doch nie zufrieden mit ihr. Sie liebt ihn trotz allem und möchte ihn nicht verlassen. Letzte Woche ist ein Streit eskaliert, und er hat Eveline mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Die Eltern von Eveline wollen, dass sie ihn verlässt und anzeigt. Tim sieht das ganz anders: «Sie hat mich provoziert» sagt er und fügt hinzu: «Ich bin gar nicht schuld».

Tina (16) und Suleijman (16) » Richtige Schlägereien, sogar mit Verletzungen

Tina ist ziemlich eifersüchtig und sie kann so richtig ausrasten, wenn ihr etwas nicht passt oder wenn sie sich ungerecht behandelt fühlt. Suleijman und sie streiten häufig, und manchmal gibt es eine richtige Schlägerei, sogar Verletzungen… Sie wissen beide, dass es so nicht weitergehen kann. Aber was können sie tun? Sie lieben sich doch…

Wir haben Jugendliche gefragt, was sie darüber denken. Hier sind ihre Antworten... 

Manchmal sind psychische Probleme eine Ursache von wiederholter Gewalt in der Beziehung.

Karin (18) und Nadja (19) » Nicht meine schuld. Sie hat sich falsch verhalten!

Karin und Nadja arbeiten in einer grossen Bank und haben sich an einem Lernenden-Anlass kennengelernt. Sie gehen sehr offen mit ihrer Beziehung um.

Was jedoch niemand weiss: Nadja hat Karin schon öfters geschlagen und einmal sogar gewürgt, weil sie sich «falsch verhalten» hat. Karin getraut sich deshalb nicht mehr, gegenüber Nadja offen ihre Meinung zu sagen, aus Angst, dass Nadja wieder ausrastet.

José (16) und Nina (17) » Verzeihe mir bitte!

 

Körperliche Gewalt hinterlässt Spuren

Für ihre Liebesbeziehung bezahlen die Jugendlichen einen hohen Preis, denn körperliche Gewalt hinterlässt Spuren: körperliche Verletzungen (wie bei Tina und Suleijman), Angst vor weiterer Gewalt (Karin), Erniedrigung und Freiheitseinschränkung, vielleicht auch eine Strafanzeige (Eveline) und eine unsichere Zukunft (José und Nina).

Er schlägt sie, sie schlägt ihn, beide schlagen sich… und sind verliebt.

Enttäuschung, Wut und Verletztheit zerreissen die Seele, aber man bleibt zusammen oder kommt immer wieder zusammen. Wenn es dir so ergeht, bist du in einer schwierigen Situation und es ist verständlich, dass du nicht weisst, was du tun sollst. Jemanden zu verlassen, zu dem man noch starke Gefühle hat, ist sehr schwer und braucht Zeit. Mit andern darüber zu reden, kann helfen, die Dinge mit etwas Distanz zu betrachten.

Wenn du in der Beziehung Gewalt erlebst, solltest du unbedingt das Schweigen brechen und mit einer Vertrauensperson darüber reden. Denn die Gewalt kann mit der Zeit immer schlimmer werden, und das Selbstwertgefühl sinkt. Sich trennen oder zusammenbleiben? Anzeige ja oder nein? Das sind schwierige Fragen. Fachpersonen können helfen, diese Entscheide zu fällen.

Wichtig ist, dass du weisst, dass du keine Schuld daran trägst, wenn du körperliche Gewalt erlebst!

Körperliche Gewalt beenden

Körperliche Gewalt mit der eigenen Kraft allein zu beenden, ist schwierig. Darum gibt es dafür Anlaufstellen, wo du beraten und begleitet wirst. Beratungsstellen oder die Polizei können weiterhelfen.

Es ist wichtig, Mut zu fassen und über solche Erfahrungen zu reden, nicht nur falls du das Opfer, sondern auch falls du der Täter oder die Täterin bist.

Überlege dir, welcher Person du vertrauen kannst. Sind es deine Eltern? Eine gute Freundin oder ein guter Freund? Vielleicht ist es auch eine Schulsozialarbeiterin, eine Lehrperson oder eine Ansprechperson im Betrieb, wo du arbeitest? Hole dir Unterstützung! So bist du nicht mehr allein mit dieser Last.

Was kannst du sonst noch tun?

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