Sexuelle Identität und Orientierung

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Bist du dir unsicher, ob du auf Frauen, Männer oder beides stehst? Bist du dir unsicher, wer du bist? Hast du Fragen zu deinem Leben oder zu den Themen Lesbisch, Schwul, Bi oder Trans*? Dann bist du bei uns richtig!

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Berater für sexuelle Orientierung

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Sven

Sven

Ich heisse Sven, bin 1994 geboren und schwul. Ich wohne im Raum Zürich und arbeite dort als Praxisausbilder (Lernende/Lehrlinge ausbilden) im Backoffice einer Bank.

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Mit Beginn der Pubertät wurde mir mehr und mehr bewusst, dass ich mich, ganz getreu dem Stereotyp, vorwiegend mit Mädchen umgab. Mein Freundeskreis bestand hauptsächlich aus Freundinnen. Jungs faszinierten mich auf eine ganz andere Weise. Ein komisches Wechselspiel aus Nähe und Distanz stellte sich in den kommenden Jahren ein. Einerseits wollte ich meinen männlichen Freunden nahe sein, Zeit mit ihnen verbringen, bei ihnen als ‚cool‘ durchgehen und von ihnen akzeptiert werden, andererseits war ich sehr darauf bedacht diese Haltung nicht auszureizen, so dass der Eindruck entstehen könnte, dass ich mich ‚zu sehr‘ für Jungs interessiere.

Es vergingen ungefähr zwei Jahre in denen ich mich mit mir selbst auseinandergesetzt habe und für mich Stück für Stück klarer wurde, dass ich homosexuell bin. Glücklicherweise durfte ich in einem Familienumfeld aufwachsen, in dem mir und meinen Geschwistern — besonders durch unsere Eltern — immer wieder klargemacht wurde, dass nichts ‚verkehrt‘ daran ist, wenn mein Bruder und ich einen Freund statt einer Freundin oder meine Schwester ein Mädchen mit nach Hause bringen würden. Dadurch fiel es mir nochmals viel leichter zu akzeptieren, dass ich eines Tages tatsächlich einen Mann und nicht eine Frau an meiner Seite haben würde.

Trotzdem wählte ich den Moment meines Coming-outs ganz bewusst und wartete damit bis nach meinem Lehrabschluss. Damit wollte ich möglichen Ausgrenzungen in der Berufsschule aus dem Weg gehen. In jenem Sommer nach Beendigung meiner Lehre öffnete ich mich dann zuerst gegenüber meiner besten Freundin. Ihre durchwegs positive Reaktion führte dazu, dass ich nach wenigen Tagen denselben Schritt bei meiner Mutter wagte. Auch sie unterstützte mich uneingeschränkt, was mir ein bestärkendes Hochgefühl verlieh. Innerhalb weniger Wochen outete ich mich bei meinem gesamten sozialen Umfeld, damit das Versteckspiel endlich ein Ende fand. Eine unfassbare Last wurde auf einen Schlag von meinen Schultern genommen.

Dass ich von verschiedenen Seiten während meines Coming-out-Prozesses unterstützt wurde, weiss ich sehr zu schätzen. Mir ist bewusst, dass der Weg für andere junge Menschen um vieles schwieriger sein kann. Mit den positiven Erfahrungen, die ich machen durfte, möchte ich dich ermutigen und dir zur Seite stehen.

Schreibe mir doch, wenn du Fragen hast oder ich dir helfen kann.

Pascal

Pascal

Mein Name ist Pascal und ich wurde 1999 in Bern geboren und lebe bis heute hier. Zurzeit bin ich an der FMS und bereite mich dort auf ein Studium in den Fachrichtungen Psychologie, Pädagogik oder Gesundheit vor. Zu meiner Homosexualität stehe ich sehr offen.

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Ich merkte bereits relativ früh, dass ich anders bin als die anderen Jungs in meiner Klasse. Da ich in meiner Schulzeit immer gemobbt wurde, wollte ich auf keinen Fall noch mehr Aufmerksamkeit erregen; ich wusste auch noch gar nicht, was mit mir anders war.

In der Oberstufe fing ich langsam an zu verstehen, was ich fühlte. Da mir immer das «klassische Familienmodell» vorgelebt und eingetrichtert wurde, hatte ich aber sehr lange Mühe meine Homosexualität zu akzeptieren. Ich wusste zudem überhaupt nicht, wie meine Eltern und meine restlichen Verwandten zu diesem Thema stehen.

Als ich mich dann endlich so akzeptieren konnte, wie ich bin, fing ich ganz langsam und vorsichtig damit an, mich bei anderen zu outen. Als erstes erzählte ich es meiner damals besten Freundin, danach meiner Mutter und meiner Schwester. Durch ihr positives Feedback wurde ich selbstbewusster und erzählte, nach einigen Monaten, allen Mädchen aus meiner Klasse, dass ich schwul bin.

Gegen Ende der Oberstufe wurde das ganze zu einem offenen Geheimnis und ich merkte, wie hinter meinem Rücken über mich getuschelt und gelacht wurde. Zum Glück hatte ich zu diesem Zeitpunkt genügend Selbstvertrauen zurückgewonnen, so dass mir diese Kommentare relativ egal waren. Als für mich, nach neun langen Jahren an der Volksschule, endlich ein Neuanfang an der FMS in Sicht war, wusste ich, dass ich mich dort vor absolut niemandem verstecken würde. Genauso ist es nun auch gekommen und ich bereue es überhaupt nicht, diesen Schritt gewagt zu haben.

Ein Zitat von Hans Kasper, welches ich einmal ganz beiläufig gelesen habe, wollte mir bis heute nicht mehr aus dem Kopf. Inzwischen könnte man schon fast sagen, dass es eine Art Lebensmotto für mich geworden ist. Es hat mir schon einige Male Mut und Hoffnung spenden können. «Die Humanität erreichte mehr, wenn sie, statt Gleichheit zu loben, zum Respekt vor dem Wunder der Vielfalt riete.»

Bei du-bist-du engagiere ich mich, weil jeder so leben und lieben können sollte, wie er es möchte. Wir alle sind unersetzbare Individuen und wir müssen stolz darauf sein, wer wir sind.

Schreibe mir doch, wenn du Fragen hast oder ich dir helfen kann.

Dominik

Dominik

Ich heisse Dominik, bin 1996 geboren und bin homosexuell. Ich wohne in einem kleinen Dorf im Kanton Aargau und studiere Rechtswissenschaften in Bern.

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Ich bin in einer sehr ländlichen Gegend aufgewachsen. Homosexualität war ein Tabu und es wurde grundsätzlich nicht darüber gesprochen.

Schon zu Beginn meiner Zeit in der Oberstufe habe ich gemerkt, dass ich mich mehr für Jungs interessiere und weniger für die Mädchen. Zuerst dachte ich, es sei eine Phase und habe mir nicht weiter Gedanken darüber gemacht. Als jedoch diese Gefühle immer stärker wurden, begann ich mir Sorgen zu machen.

Ich stellte mir Fragen wie, Wieso ich? Was wird mein Umfeld über mich denken? Was soll ich nur tun? Fast jeder meiner Gedanken drehte sich nur noch um diese Fragen. Ich begann mir selbst einen grossen Druck aufzuerlegen, mich sobald wie möglich outen zu müssen. Wie sollte ich dies jedoch anstellen? Durch diesen Druck outete ich mich mit 14 bei meinem damaligen besten Freund. Nach diesem Outing habe ich nie mehr mit ihm darüber gesprochen.

Bis ich mich bei weiteren Personen geoutet habe, sind zwei Jahre vergangen. Diese zwei Jahre haben mir geholfen, mir klar zu werden, was ich gerne möchte und wer ich bin. Sie haben mir Sicherheit gegeben. Mit 16 habe ich mich bei meiner besten Freundin geoutet und gleich darauf bei einer weiteren. Die positiven Feedbacks haben mir Kraft gegeben und mich motiviert, mich auch bei meiner Familie zu outen.

Das Outing bei meiner Familie verlief weitgehend gut. Für meinen Vater war es zuerst einmal überraschend und etwas schockierend, doch auch für ihn ist es sehr schnell zur Selbstverständlichkeit geworden. Das Outing hat mir die Freude am Leben wiedergegeben und ich habe viele neue Freunde gefunden.

Ich engagiere mich bei du-bist-du, weil ich die Erfahrungen, die ich gemacht habe, gerne weitergeben würde und weil ich jungen Menschen zeigen möchte, dass, egal wie aussichtslos eine Situation scheint, es immer eine Lösung gibt.

Schreibe mir doch, wenn du Fragen hast oder ich dir helfen kann.

Beraterinnen für sexuelle Orientierung

Giulia

Giulia

Ich heisse Giulia, bin 1994 geboren und lesbisch. Ich komme aus Zürich und studiere auch dort.

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Schon in meiner Kindheit habe ich gemerkt, dass ich mich mehr zu Mädchen als zu Jungs hingezogen fühle. Über Jahre wünschte ich mir ein Junge sein zu können, allerdings nur mit dem Hintergedanken, dann die Möglichkeit zu haben, mit einem Mädchen zusammen zu sein.

Bis ich mir meine sexuelle Orientierung eingestanden hatte, ging es noch eine geraume Zeit. Mit 13 Jahren habe ich es in einem Gespräch mit meinem grossen Bruder das erste Mal angesprochen, dies war dann aber wieder schnell verdrängt und vergessen. Bis ich mich mit 16 in meine damalige beste Freundin verliebt habe. Ich musste mir irgendwann eingestehen, dass ich mehr für sie empfinde als nur Freundschaft. Lange haderte ich mit mir selber und damit, was das für mich bedeuten würde.

Einige Zeit später, nachdem ich es alleine nicht mehr aushielt, entschied ich mich, einer guten Freundin die Frage zu stellen: „Wie wäre es für dich, wenn ich lesbisch wäre?“ Ich habe mich dann lange mit ihr darüber unterhalten und mich das erste Mal seit einer langen Zeit besser gefühlt und weniger alleine. Danach ging es bei mir relativ schnell, ich hatte riesiges Glück mit meiner Familie und meinen engen Freunden und stiess dabei kaum auf Ablehnung.

Allerdings lebte ich zu dieser Zeit in einer WG, in welcher meine Mitbewohner ihre Abneigung zur Homosexualität schon ein paar Mal offen zur Sprache gebracht hatten. Dies lag mir schwer im Magen, da ich mich in meinem eigenen zu Hause sehr unwohl und unwillkommen fühlte und grosse Angst vor ihrer Reaktion hatte. Ich habe mich entschieden, wieder zu meiner Mutter zu ziehen, in ein Umfeld, wo ich mein neues und wahres Ich frei leben und kennen lernen konnte. Bei einem Treffen des Vereins L-Punkt, für junge Lesben, fand ich zum ersten Mal Anschluss an die lesbische Welt.

Für du-bist-du engagiere ich mich, weil ich gerne für andere Personen da bin und ich junge Frauen dabei unterstützen möchte, zu sich selbst zu stehen.

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Antonia

Antonia

Ich heisse Antonia, bin 1988 geboren und lesbisch. Ich wohne in Zürich und bin Physiotherapeutin.

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Heute weiss ich, dass ich mich schon von klein auf für Mädchen interessiere. Das bewusste Wissen lesbisch zu sein kam jedoch erst Jahre später.

Als Kind stellte ich mir oft vor, wie es wäre ein Junge zu sein. Denn für mich stand damals fest, nur Jungs können Mädchen lieben und umgekehrt. Jahrelang war es mein größter Wunsch wenigstens für einen einzigen Tag ein Junge zu sein. Es dauerte lange bis ich mit den Themen Homosexualität oder Bisexualität in Kontakt kam und ich mir eingestand, dass diese Themen mit mir zu tun haben. Zu negativ und zu fremd waren sie belastet in dem Umfeld, in dem ich aufwuchs.

Als ich in die Pubertät kam, machte ich meine ersten Erfahrungen mit Jungs. Das war ganz ok, aber mehr etwas, das man halt so tut als Mädchen. Die Tatsache, dass ich mich immer wieder in Mädchen verliebte, schob ich auf eine pubertäre Phase. Ich war 17 Jahre alt, als ich das erste Mal eine Frau richtig küsste. Es war eine Freundin, mit der ich dann heimlich eine Beziehung führte. Durch diese und weitere Erfahrungen, merkte ich, dass ich mich mit dem Gedanken anfreunden musste, zumindest bisexuell zu sein. Der Kampf in mir, den ich seit Jahren führte, spitzte sich zu und mit 19 war ein Outing unumgänglich. Mein Umfeld reagierte sehr positiv und unterstützend und für mich persönlich war mein Coming-out sehr befreiend.

Ich engagiere mich bei du-bist-du, weil ich während meines Outings selbst Unterstützung in Anspruch genommen habe und ich anderen jungen Frauen in dieser schwierigen Zeit zur Seite stehen möchte.

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Berater_innen für Geschlechtsidentität*

Clay

Clay

Ich heisse Clay, bin in Zürich im Jahr 1987 geboren und bin trans. Ich bin ausgebildeter Diätkoch.

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Schon früh merkte ich, dass ich nicht das „Mädchen“ war, für das mich alle hielten. Ich erinnere mich gut an den Tag, an dem ich meiner Mutter zum ersten Mal erzählte, dass „der liebe Gott einen Fehler bei mir gemacht hätte“. So habe ich ihr das damals erzählt, Worte oder Begriffe wie „trans“ oder „Gender-Vielfalt“ waren damals noch kaum bekannt, und so ging mein Umfeld davon aus, dass ich eben „so eine Phase durchlebte“.

Das Gefühl irgendwie anders zu sein, und dieses für mich eindeutige Wissen, dass ich eben keine Frau war, verliessen mich nie. Manchmal trat das Thema ein bisschen in den Hintergrund, schliesslich gab es noch so viel anderes zu entdecken in meinem Leben, aber ganz verlassen wollte es mich nicht.

Mit 17 nahm ich an einem Austauschjahr in den USA teil – ich schmiedete den Plan, ein letztes Mal zu versuchen eine Frau zu sein. Dort würde mich niemand kennen, und vielleicht würde mir das ja dort gelingen. Nun – es gelang mir nicht! Ich kam zurück in die Schweiz und war mir sicherer denn je, dass ich anders war.

Ich begann erneut zu recherchieren und fand dann endlich auch ein Wort dafür: „Transsexualität“. Ich erklärte mich nun nach und nach meinem Freundeskreis. Grösstenteils hatte ich gute Rückmeldungen. Auf der Arbeit erklärte ich mich erst dem Chef, und zusammen arbeiteten wir dann einen Plan aus, wie ich es dem restlichen Team erklären könnte.

In der Berufsschule stellte ich mich eines Nachmittags vor die Klasse und erklärte ein für alle Mal, warum ich denn eher wie ein Junge als wie ein Mädchen aussah, was mir sogar Applaus einbrachte zu meiner Verwunderung.

Die schwierigsten Coming-outs waren meinem Vater und meiner Grossmutter gegenüber. Es brauchte Zeit, Geduld und auch einiges an Nerven. Es war nicht immer ganz leicht – aber ich würde nichts anders machen. Ich mag es endlich ich sein zu können – nicht weil irgendjemand das von mir erwartet, sondern weil ich einfach genau so bin.

Bei «DU BIST DU» engagiere ich mich, weil jeder Mensch anders ist. Ich denke jeder Mensch sollte die Möglichkeit haben mit dem Wissen durchs Leben zu gehen, dass er/sie okay ist, ganz genau so wie er/sie ist.

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Manu

Manu

Mein Name ist Manu Dorothée. Ich bin 1994 in Bern als Kind einer Heilpädagogin und eines Pfarrers geboren und bin trans*. Heute lebe ich in Zürich mit meinem Beziehungsmensch zusammen, welches selbst agender ist. Ich arbeite als Physiklaborantin in einem kleineren Unternehmen und engagiere mich in der Freizeit für die Jugend von Transgender Network Switzerland (TGNS).

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Früher habe ich mich oft als sehr emanzipierten Mann gesehen, der auch gerne mal Röcke trägt. Nicht etwa weil ich einen Rock tragen wollte, sondern um den Menschen um mich herum zeigen zu können, dass ich auch als Mann einen Rock anziehen kann.

Durch den Kontakt mit dem Milchbüechli und die erste Milchreise kam die Annahme, dass ich ein Mann bin, immer mehr ins Wanken. Als Geschlechtsbezeichnung kam an diesem Punkt für mich der Begriff „whatever“ ins Spiel. Ich traute mich immer mehr an Veranstaltungen teilzunehmen, die sich mit dem Thema trans* befassten und kam für mich zu dem Schluss: Ich möchte in einer Gesellschaft, die nur zwei Geschlechter kennt, als Frau wahrgenommen werden. Davon abgesehen sehe ich mich eher als genderqueere Frau, die sich nur ungern gewissen Normen beugt.

Nach meinem ersten Coming-out in meinem Freundeskreis war das zweite Coming-out zwar ein persönliches, emotionales Feuerwerk, aber für niemanden wirklich überraschend. Schon vor dem Coming-out war es vielen nicht ganz leicht gefallen, mich als „Mann“ zu sehen. Das Coming-out bei meinen Eltern war etwas schwieriger. Daran war nicht etwa der Beruf meines Vaters schuld, sondern es waren grosse Ängste im Spiel. Inzwischen konnten wir die Ängste minimieren und für meine Eltern ist es mittlerweile auch kein Problem mehr, mich als ihre Tochter zu sehen.

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