Gewalt zwischen Eltern

Inhalt

Jugendliche erzählen:

Julia, Silvan, Alex und Valentina wissen, was häusliche Gewalt ist.

Sie wurden dabei von Freunden und Freundinnen unterstützt, und das hat den Unterschied gemacht. Ihre Geschichten sind eine Inspiration für andere Jugendliche.

Julia » Lisa und Tamara sind für mich da

«Ich bin dankbar, dass meine Freundinnen Lisa und Tamara da sind, wenn es mir wegen meinen Eltern dreckig geht. Sie hören mir zu, dann fühle ich mich verstanden. Ausserdem haben die beiden mir angeboten, jederzeit mal bei ihnen übernachten zu können. Sie sagen, wir könnten mal mit ihren Eltern über alles reden, wenn ich das will.»

Théo » Mit dem Leiter des Jugendtreffs gesprochen

«Ich wusste, dass der Vater meines Kumpels schlägt. Als er dann aber selber mit einem blauen Auge gekommen ist, war mir klar, dass das so nicht weitergeht. Ich habe ihm gut zugeredet und er hat dann mit dem Leiter des Jugendtreffs gesprochen. Der hat ihm gesagt, welche Möglichkeiten er hat, auf die Gewalt seines Vaters zu reagieren.»

Silvan » Die Eltern von Nico sind cool

«Wenn ich wieder mal rot sehe, weil meine Mutter zu Hause alle fertig macht und die Stimmung nicht zum Aushalten ist, ‚flüchte‘ ich zu meinem Freund Nico. Seine Eltern sind cool. Ich darf dann bei Nico zu Abend essen und übernachten. Nicos Vater weiss, was bei uns zu Hause los ist und er hat mir gesagt, dass er mich jederzeit unterstützt, falls ich Hilfe brauche. Das zu wissen, gibt mir Kraft, die Situation zu Hause zu ertragen.»

Nina » Adressen von Beratungsstellen

«Ich habe im Internet gesurft, weil ich mir Sorgen um meinen Freund Alex gemacht habe. Ich habe die Adressen und Telefonnummern von drei Beratungsstellen in der Nähe gefunden, bei einer kann man auch in der Nacht anrufen. Alle beraten auch anonym, d.h. man kann selbst entscheiden, ob man seinen Namen nennen will. Ich habe einen guten Tipp bekommen und konnte Alex ein kleines bisschen weiterhelfen.»

Yara » 147 anrufen

«Wegen der Gewalt zu Hause konnte meine Freundin Valentina fast nichts mehr essen, wurde immer dünner und total schlecht in der Schule. Eines Tages hat sie mir eine WhatsApp geschrieben, dass ihre Eltern wieder rumbrüllen und dass sie nun abhaut. Ich habe ihr gesagt, dass ich für sie da bin. Wir haben uns beim Sportplatz getroffen, sie hat nur noch geheult. Wir haben bei 147 angerufen und sie haben von dort aus organisiert, dass Valentina für ein paar Tage in eine Notaufnahmegruppe für Jugendliche gehen konnte. Dort wurde sie unterstützt und es fand ein Gespräch mit den Eltern statt, in dem vereinbart wurde, was sich verbessern muss, damit Valentina wieder zu Hause wohnen kann.»

Leo » Endlich die Polizei

«Letzten Dezember ist der Streit zu Hause ausgeartet. Ich hatte Angst, dass uns mein Stiefvater alle kalt macht. Ich war in meinem Zimmer und fühlte mich wie gelähmt. Ich hörte, wie meine Mutter schluchzte und mein Stiefvater Mobiliar zerstörte. Ich hatte Todesangst um meinen Bruder, der jeden Moment heimkommen musste. Plötzlich klingelte es. Die Polizei stand vor der Tür. Die Polizistin sprach mit meiner Mutter und danach auch mit mir. Der Polizist sprach mit meinem Stiefvater. Dieser kriegte für einige Tage Wohnungsverbot. Endlich, endlich, nach all diesen Jahren der Gewalt hatte meine Mutter den Mut, meinen Stiefvater zu verlassen. Wir packten die wichtigsten Dinge zusammen und fuhren zur Familie meiner Tante, der Schwester meiner Mutter. Von dort aus organisierte meine Mutter alles weitere. Heute sind wir wieder zurück in unserer alten Wohnung, der Stiefvater ist ausgezogen. Es geht uns allen so viel besser. Ich bin der Person, die die Polizei gerufen hat, sehr dankbar!»

Finn » Wenn meine Freundin mich anlächelt

«Manchmal kann ich nicht aufhören zu grübeln, da hilft es mir, wenn meine Freundin mich anlächelt und sagt, ‚Na, wo bist du denn gerade?’

Sie fragt so, dass ich ihr gerne antworte. Zusammen fällt uns viel eher eine Lösung ein als mir alleine.»

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Quelle/n
Autor/-in
Marianne Kauer