Ich weiss von Gewalt in einer Beziehung

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Ausübende von Gewalt unterstützen

Vermuten Sie, dass jemand in Ihrem Umfeld in der Partnerschaft Gewalt anwendet? Oder sind Sie sich sogar sicher? Handeln Sie vorsichtig. Und schauen Sie nicht weg. Sie können etwas tun.



Ahnen oder wissen Sie, dass eine Person in Ihrem Bekanntenkreis Gewalt in der Beziehung ausübt?

  • Hören Sie heftige Streitereien mit Schreien und/oder Weinen in Ihrer Nachbarschaft?
  • Bemerken Sie bei der Partnerin eines Freundes Verletzungen (z.B. Schnittwunden, blaue Flecken), die Ihnen komisch vorkommen?
  • Haben Sie den Eindruck, Ihre Schwester übt viel Kontrolle und Druck in ihrer Partnerschaft aus?
  • Hat Ihnen jemand im Vertrauen von eskalierenden Konflikten in der Partnerschaft erzählt?

Ein Verdacht oder Mitwissen löst bei den meisten Menschen Unwohlsein aus. Gegen dieses Unwohlsein wollen die meisten Menschen etwas tun und wissen manchmal nicht was. 

  • Es gibt grob gesagt nur zwei Dinge, die Sie vermeiden sollten, weil sie der betroffenen Person in der Regel nicht helfen:
  1. Es ist nicht hilfreich, zu handeln, ohne vorher auf die eigenen Gefühle und die Gefährdung zu achten. Es ist nicht hilfreich, die betroffene Person unbedingt allein retten zu wollen.
    Sofort handeln macht dann Sinn, wenn es sich um einen akuten Notfall handelt (z.B. wenn eine Person bedroht wird): Rufen Sie in diesem Fall den Notruf (112) oder die Polizei (117). Gefährden Sie sich nicht selbst.
  2. Es ist nicht hilfreich, wegzuschauen und zu denken: «Das Privatleben der Anderen geht mich nichts an.»
    Gewalt ist keine Privatsache, denn sie ist gesetzlich verboten. Und Gewalt ist vielschichtiger und vielseitiger als man denkt: Hier finden Sie mehr Fakten zu Partnerschaftsgewalt. Wie oft im Leben gilt auch hier: Lieber einmal zu viel etwas unternehmen als einmal zu wenig. Was heisst «etwas unternehmen» konkret? 

Was hilft: Ansprechen, Zuhören ohne Gutheissen, Verantwortung aufzeigen, in Kontakt bleiben

«Etwas unternehmen» heisst nicht immer, sofort direkt einzugreifen. Fragen Sie andere Nachbarinnen und Nachbarn, Kolleginnen und Kollegen oder Verwandte, ob Sie auch schon Beobachtungen gemacht haben. Oder besprechen Sie Ihre Beobachtungen mit einer Fachperson: Hier finden Sie hilfreiche Adressen.

Wenn Sie sich sicher genug fühlen, können Sie die Person auch darauf ansprechen (eventuell zusammen mit jemandem). Wählen Sie eine Umgebung, in der Sie sich sicher fühlen und nicht gestört werden. Erzählen Sie von Ihren Beobachtungen. Rechnen Sie mit jeder Reaktion: Verneinen, Schuldgefühle, Weinen, Wut, Aggression - verlassen Sie den Raum, wenn Sie sich bedroht fühlen.

Wenn die Person nicht sprechen möchte, respektieren Sie das und verweisen Sie auf die Möglichkeit einer anonymen Beratung.

Falls sich Ihr Verdacht bestätigt, ist Folgendes gut zu wissen: 

Heftige Gefühle sind bei gewaltausübenden Personen normal. Und es ist Teil des Problems, dass sie mit diesen Gefühlen nicht gut umgehen können. Bleiben Sie wenn möglich im Gespräch mit der Person. Und nehmen Sie eine klare Haltung gegen Gewalt ein. Gewalt bringt auf beiden Seiten nur Verliererinnen und Verlierer hervor. 

  • Seien Sie sich bewusst: Gewaltausübende Personen leiden meistens unter ihrer Situation. Oft haben Sie starke Schuldgefühle, weil sie es nicht schaffen, die Gewaltspirale zu durchbrechen: Hier finden Sie mehr Infos zur Gewaltspirale.

  • Hören Sie daher aufrichtig zu. Und beziehen Sie klare Stellung gegen Gewalt, wenn die Person das eigene Leiden als Rechtfertigung oder Entschuldigung braucht. Für Gewalt gibt es weder Rechtfertigung noch Entschuldigung.

  • Es ist wichtig, sachlich und klar zu betonen, dass die gewaltausübende Person die volle Verantwortung für ihre Handlungen trägt. Und dass sie mitverantwortlich für den Schutz und das Wohlergehen der eigenen Kinder ist. Hier erfahren Sie mehr über die Situation der Kinder und wie Kinder unterstützt werden können.

  • Sie können mit der Person Möglichkeiten besprechen, wie sie anders mit Wut und Frustration umgehen kann (wenn die Person offen dafür ist). Sie können auch erzählen, wie Sie selber mit diesen Gefühlen umgehen.

  • Motivieren Sie die Person, sich von einer Fachperson unterstützen zu lassen. Bieten Sie allenfalls Ihre Begleitung zu einer Beratungsstelle an: Hier finden Sie hilfreiche Adressen.

  • Bleiben Sie wenn möglich im Kontakt mit der Person und bestärken Sie sie darin, dass eine Veränderung möglich ist.

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