Mit Konflikten umgehen

Inhalt

Die Notbremse ziehen, wenn Konflikte eskalieren

Was machst Du, wenn Du trotz allen guten Absichten merkst, dass eine Konfliktsituation aus dem Ruder läuft und Du kurz davor bist, angegriffen zu werden? Laufe weg, wenn Du kannst. Denn zurückzuschlagen, ist nicht nur wegen der Verletzungsgefahr problematisch und verschlimmert die bereits brenzlige Situation erheblich, sondern Du kannst Dich sogar strafbar machen.

Es war ja nur Notwehr! Viele Jugendliche, die in Gewaltsituationen verwickelt wurden, oder immer wieder wegen Gewalttaten auffallen, sagen, dass sie in Notwehr gehandelt hätten. Damit wollen sie sich vor negativen Konsequenzen und vor Strafen drücken.

Aber so einfach ist das nicht! Für Notwehr gibt es gesetzliche Bestimmungen, sie ist nicht einfach ein Freipass für Gewalt! In 99 Prozent der Gewaltfälle wird das Gericht urteilen, dass die Notwehr nicht begründet war.

Notwehr darf nur angewendet werden, wenn es absolut keine andere Möglichkeiten gibt, Dich selbst oder ein Opfer vor Bedrohung zu schützen. Solange Du wegrennen, schreien, Hilfe holen kannst, ist Notwehr verboten! Wenn Du Gewalt angewendet, aber nicht aus echter Notwehr gehandelt hast, machst Du Dich strafbar. Dann wirst Du mit einer Anzeige und einer Verurteilung rechnen müssen. Es ist also in jedem Fall besser, wenn Du Dich gar nicht auf einen gewalttätigen Konflikt einlässt.

Falls Du Kampfsport betreibst oder boxt, sei Dir immer darüber im Klaren, dass Du das Erlernte nur in äusserster Not einsetzen darfst. Und selbst dann ist noch Vorsicht geboten. Wenn Du wirksame, gefährliche Kampfsporttechniken anwendest und dabei jemanden verletzt, ist die Chance gross, dass Du am Ende dafür bestraft wirst!

Mehr Infos aus dem Schweizerischen Strafgesetzbuch (StGB)... Der entsprechende Gesetzestext aus dem Schweizerischen Strafgesetzbuch (StGB) lautet:  Art. 15: Rechtfertigende Notwehr: 

Wird jemand ohne Recht angegriffen oder unmittelbar mit einem Angriff bedroht, so ist der Angegriffene und jeder andere berechtigt, den Angriff in einer den Umständen angemessenen Weise abzuwehren. Eine “Notwehrhandlung” zu einem späteren Zeitpunkt gilt als Racheakt und ist nicht zulässig.

Aber Vorsicht! Die gesetzliche Berechtigung zur Notwehr kann nämlich leicht missverstanden werden: Ob die Notwehr „den Umständen angemessen“ war oder ist, entscheidet einzig und allein der/die Richter/-in, niemals der/die Täter/-in! Und meistens ist oder war sie es eben nicht!

Patronat
Autor/-in
Michael Miedaner
Christian Platz